Der Leerstandsmelder für Augsburg ist online!

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Infos zum Sachverhalt:

Kunst, Geschichte und Nachhaltigkeit

Ein tiefes Loch klafft im Domviertel. Wo noch einst historische Architektur stand, ist nun eine riesige Baugrube zu sehen. Kein Einzelfall. Gerade in Großstätten wird im Zuge der Gentrifizierung „neuer Wohnraum“ geschaffen. Argumentiert wird immer gleich: Wir brauchen mehr Wohnungen, Altbauten seien Energieschleudern und zu teuer um sie zu sanieren.

Ein Trugschluss, denn laut einem Artikel der Südeutschen Zeitung stehen in ganz Deutschland 2 Mio. Wohnungen leer. Sind Altbauten Energieschleudern? Professor Thomas Will von der Uni Dresden sieht das nicht so. In seinem Aufsatz „Sparen und Bewahren – Ökonomie und Ökologie am Baudenkmal (2006)“ beschreibt Will, dass Altbauten keineswegs mehr Energie verschwenden, denn diese sind im Gegensatz zu neugebauten Häusern bereits gebaut. Die Primärenergie zur sog. „Erschließung eines Neubaus“ taucht in den Energiebilanzen nicht auf. Des Weiteren sind Kostenschätzungen von Architekten und Bauträgern für die Sanierung eines alten Gebäudes so immens hoch, da diese meist eine Entkernung des Gebäudes beinhalten. Dies müsste oft nicht sein, denn die meisten Altbauten wurden so gebaut, dass man leicht Balken, Dachsparren, Dachziegel, Fußbodenbretter oder Lehmputz austauschen kann. Die alte Technik beinhaltet dabei meist regional verfügbare Materialien. Demnach ist das Erhalten von Altbauten auch gleichzeitig Umweltschutz, da Ressourcen gespart werden.

Abgesehen von Ökonomie und Ökologie haben alte Häuser oft mehr Charisma. Neubauten sind hingegen oft kalt und gesichtslos. Dies mag subjektiv sein, aber lassen Gebäude, die teilweise seit hunderten von Jahren dort stehen nicht eine liebe zum Detail erkennen? Auch neue Architektur kann ansprechend sein, dennoch vermisst man bei den meisten modernen Neubauten den Charme und die Erweckung von Neugier im Erscheinungsbild.

Auch sollte man sich der Konsequenz bewusst sein, dass der Abriss von Altbauten und der anschließende Neubau eine immense Steigerung der Immobilienpreise nach sich zieht. Wohnraum wird dadurch, gerade in Innenstätten immer teurer!

Altbestände zu erhalten ist also nicht nur eine optische, sondern auch eine ethische Frage. An ihnen lässt sich Menschheitsgeschichte ablesen, sie haben lange Zeit ihre Haltbarkeit bewiesen, zeigen Sinn für Ästhetik, Natur und Kultur und lassen unsere Augen atmen. Daher helft mit sie zu erhalten mit Hilfe des Leerstandsmelders! Wir sammeln auf einer interaktiven Karte alle leerstehenden Gebäude. Auch neuere Gebäude sind im Fokus, falls diese nicht bewohnt sind. Wir wollen damit erreichen, dass Wohnungen bezahlbar bleiben, bereits bestehendes Baugut erhalten bleibt und Ästhetik sowie Historie gewahrt werden!

„Alle Baukunst bezweckt eine Einwirkung auf den Geist, nicht nur einen Schutz für den Körper.“ John Ruskin (1819-1900, englischer Schriftsteller, Maler, Kunsthistoriker, Sozialökonom und Sozialreformer)